West-Nil-Virus weiterhin in Deutschland etabliert
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem West-Nil-Virus (WNV), das sich in den vergangenen Jahren in mehreren Regionen Deutschlands etabliert hat. Das Virus wird durch heimische Stechmücken der Gattung Culex übertragen und zirkuliert zwischen Vögeln und Mücken. Menschen und Pferde können als sogenannte Fehlwirte infiziert werden.
Auch im Jahr 2025 wurden in Deutschland erneut lokal erworbene West-Nil-Virus-Infektionen registriert. Damit bestätigt sich die anhaltende Etablierung des Erregers in bestimmten Regionen. Für Hygienekontrolleure und Gesundheitsämter bedeutet dies, die saisonale Entwicklung weiterhin aufmerksam zu beobachten und entsprechende Präventionsmaßnahmen zu unterstützen.
Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke
Parallel dazu breitet sich die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) in Deutschland weiter aus. Die invasive Mückenart gilt als potenzieller Überträger von Dengue-, Chikungunya- und Zikaviren. In mehreren Bundesländern konnten bereits stabile Populationen nachgewiesen werden.
Die zunehmende Etablierung dieser Art erhöht langfristig das Risiko einer lokalen Übertragung importierter Krankheitserreger. Entscheidend bleiben daher Maßnahmen zur Mückenbekämpfung sowie die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Beseitigung möglicher Brutstätten im häuslichen Umfeld.
Reiseassoziierte Infektionen weiterhin relevant
Auch wenn die Zahl der nach Deutschland importierten Dengue-Fälle zuletzt unter den Vorjahreswerten lag, bleiben reisebedingte Infektionen ein wichtiger Faktor. Zudem wurden Ende 2025 und Anfang 2026 vermehrt Chikungunya-Infektionen bei Reiserückkehrenden von den Seychellen und aus Kuba festgestellt.
Für den öffentlichen Gesundheitsdienst ist daher neben der Überwachung heimischer Vektoren weiterhin die frühzeitige Erkennung importierter Erkrankungen von Bedeutung. Eine rasche Diagnostik und Meldung unterstützen die epidemiologische Bewertung möglicher Risiken.
Bedeutung für Hygienekontrolleure
Hygienekontrolleure leisten einen wichtigen Beitrag bei der Prävention vektorübertragener Erkrankungen. Zu ihren Aufgaben gehören insbesondere:
- Unterstützung der Gesundheitsämter bei Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen,
- Sensibilisierung der Bevölkerung für die Vermeidung von Mückenbrutstätten,
- Mitwirkung bei lokalen Bekämpfungsmaßnahmen invasiver Mückenarten,
- Beobachtung und Weitergabe relevanter Entwicklungen im Bereich der Vektorhygiene.
Angesichts des Klimawandels und der weiteren Ausbreitung invasiver Stechmücken ist davon auszugehen, dass vektorübertragene Erkrankungen künftig eine zunehmende Rolle im Infektionsschutz in Deutschland spielen werden.
Das Titelfoto stammt aus der Public Health Image Library (PHIL), mit der Identifikationsnummer #2165 der Centers for Disease Control and Prevention.
Quelle: RKI Epidemiologisches Bulletin Ausgabe 25/2026 vom 18.06.2026