Zur ersten Fortbildung im Jahr 2024 folgten 23 Mitglieder der Einladung des Vorstandes des Berufsverbandes der Hygieneinspektoren Berlin-Brandenburg e. V. auf den Campus des Virchow-Klinikums der Charité in Berlin. Ziel der Fortbildungsveranstaltung war die Sonderisolierstation, kurz SIS. Sie ist auf die Versorgung von Patienten mit sogenannten Hochinfektionskrankheiten ausgelegt. Dazu zählen unter anderem virale hämorrhagische Fieber wie Ebola-Viruskrankheit, Lassa-Fieber, Krim-Kongo-Fieber oder Marburg-Viruskrankheit, aber auch Erkrankungen wie Lungenpest oder das Middle East Respiratory Syndrome, kurz MERS.
Am 11. April begann die Veranstaltung mit einer kurzen Begrüßung der Teilnehmenden durch den Vorsitzenden Sven Demuth. Anschließend übernahm Benjamin Stadtmann die fachliche Einführung und Führung durch die besondere Station. Herr Stadtmann ist examinierter Krankenpfleger, Koordinator, Trainer und Praxisanleiter der Sonderisolierstation der Charité. Zugleich ist er Sprecher des ständigen Arbeitskreises der Sonderisolierstationen, kurz STAKOB, im Bereich Pflege.
Die Berliner Sonderisolierstation ist eine von sieben Kompetenz- und Behandlungsstationen in Deutschland. Neben Berlin, zuständig für Berlin und Brandenburg, bestehen weitere Stationen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart. Damit ist bundesweit eine spezialisierte Versorgung für unterschiedliche Regionen sichergestellt.
Bereits die einleitende Präsentation machte deutlich, wie aufwendig der Betrieb einer solchen Station ist. Neben einer besonderen Lüftungstechnik mit HEPA-Filtration spielen die Sterilisation und Entsorgung von Fest- und Flüssigabfällen sowie der sichere Umgang mit Ausscheidungen hochinfektiöser Patienten eine zentrale Rolle. Deutlich wurde auch, dass moderne Technik allein nicht ausreicht. Der sichere Betrieb einer Sonderisolierstation setzt eine kontinuierliche Aus-, Fort- und Weiterbildung des Personals voraus. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem An- und Ablegen der persönlichen Schutzausrüstung. Dieser Ablauf muss regelmäßig trainiert werden, damit die Pflege und Behandlung von Patienten mit hochkontagiösen, lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten ohne Gefährdung des ärztlichen und pflegerischen Personals erfolgen kann. Herr Stadtmann erläuterte hierzu verschiedene Übungsszenarien, die an der Charité regelmäßig durchgeführt werden.
Nach dem theoretischen Teil folgte die Besichtigung der zuvor vorgestellten Bereiche der Sonderisolierstation. Die Führung bot zahlreiche interessante Details und vermittelte einen eindrucksvollen Einblick in die praktischen Abläufe. Für einige Teilnehmende war es dabei ein besonderes Erlebnis, die persönliche Schutzausrüstung selbst anzulegen und einzelne Tätigkeiten unter Vollschutz auszuprobieren. In Erinnerung bleiben dürfte besonders die simulierte Blutentnahme unter erschwerten Bedingungen. Vollschutz und doppelte Handschuhe machten deutlich, welche praktischen Herausforderungen bei der Versorgung hochinfektiöser Patienten bestehen. Auch die anschließende Dekontamination und das fachgerechte Ablegen der Schutzausrüstung waren für viele Teilnehmende eine besondere Erfahrung. Nach diesem eindrucksvollen Praxisteil bestand die Möglichkeit, sich in der Betriebskantine zu stärken, bevor das Nachmittagsprogramm begann.
Am Nachmittag referierte Herr Dr. med. Oliver Normann, Arbeitsgruppenleiter Infektionsschutz und Tuberkulosefürsorge der Landeshauptstadt Potsdam. In seinem anschaulichen und informativen Vortrag ging er auf hochkontagiöse, lebensbedrohliche Erkrankungen ein, die international häufig als High Consequence Infectious Diseases bezeichnet werden. Neben gesetzlichen Grundlagen, beispielsweise § 30 Infektionsschutzgesetz, erläuterte Herr Dr. Normann unter anderem Vorkommen, Übertragungswege, Falldefinitionen, Symptome, Meldepflichten, Behandlungsmöglichkeiten und das Kontaktpersonenmanagement verschiedener Erkrankungen. Thematisiert wurden unter anderem Ebola, Marburg-Viruserkrankung, Lassa-Fieber, Hämorrhagisches Krim-Kongo-Fieber, Nipah, Hendra, Junin-Fieber, Machupo-Fieber sowie die Lungenpest.
Darüber hinaus gab der Vortrag wertvolle Hinweise auf weiterführende Online-Informationen und machte auf kulturelle Besonderheiten einzelner Länder aufmerksam, die im Zusammenhang mit Infektionsgeschehen eine Rolle spielen können. Der Vortrag ergänzte den Praxisteil des Vormittags fachlich sehr gelungen und rundete den Fortbildungstag ab.
Der Berufsverband bedankt sich herzlich bei Herrn Benjamin Stadtmann und Herrn Dr. Oliver Normann für die fachliche Unterstützung. Ein besonderer Dank gilt außerdem dem Vorstand des BHBB e. V. für die Organisation sowie allen interessierten Kollegen, die an der Fortbildung teilgenommen haben.
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